Zinseszins in der Schweiz: Zeit schlägt alles

Towfiqu barbhuiya / Pexels
Der Zinseszins ist der einzige legale Trick, bei dem Geld Geld verdient, das bereits Geld verdient hat. Keine komplizierten Produkte, keine Börsenmagie – nur Zeit, Regelmässigkeit und ein realistischer Zinssatz. Gerade in der Schweiz mit ihren tiefen Kontozinsen lohnt es, das Prinzip zu verstehen.
Die Formel in einem Satz
Zinsen werden dem Kapital zugeschlagen und im nächsten Jahr mitverzinst. Bei 5 % aus CHF 10'000 werden nach einem Jahr CHF 10'500, nach zwei Jahren CHF 11'025 – der Zuwachs im zweiten Jahr (CHF 525) übersteigt bereits die 5 % des Startkapitals.
Beispiel 1: Einmalbetrag über 20 Jahre
CHF 10'000 zu 5 % pro Jahr: Nach 10 Jahren ca. CHF 16'289, nach 20 Jahren ca. CHF 26'533. Mehr als die Hälfte des Endbetrags sind reine Zinserträge. Faustregel dazu: Die 72er-Regel – 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt die Jahre bis zur Verdoppelung (bei 5 % also rund 14 Jahre).
Beispiel 2: CHF 500 monatlich über 30 Jahre
Wer 30 Jahre lang monatlich CHF 500 zu durchschnittlich 5 % anlegt, zahlt total CHF 180'000 ein – und besitzt am Ende über CHF 400'000. Der Clou: Die letzten Jahre tragen am meisten bei, weil das bereits aufgebaute Kapital arbeitet. Wer zehn Jahre später startet, muss fast doppelt so viel einzahlen für dasselbe Ziel.
Inflation und Schweizer Realität
Kontozinsen um 1 % bedeuten bei 1 % Inflation real null. Wer Vermögen aufbauen will, braucht Anlagen mit höherer erwarteter Rendite – etwa breit gestreute Fonds oder die Säule 3a in Wertschriftenlösung. Entscheidend sind tiefe Gebühren: 1 % Kosten pro Jahr frisst über 30 Jahre rund ein Viertel des Endvermögens.
Säule 3a oder freies Sparen? Der Vergleich
- Säule 3a in Wertschriften: Steuerabzug heute (bis CHF 7'258, Stand 2025), Kapital bis zur Pensionierung gebunden, Auszahlung zum separaten Vorsorgetarif.
- Freies Depot: kein Abzug, dafür jederzeit verfügbar – ideal als Ergänzung für mittelfristige Ziele.
- Zahlenbeispiel: CHF 6'000 jährlich über 25 Jahre zu 4 % ergeben ca. CHF 260'000; in der 3a spart man zusätzlich jedes Jahr rund CHF 1'500 Steuern (bei 25 % Grenzsteuersatz).
- Faustregel: Erst Notgroschen (3–6 Monatsausgaben), dann 3a maximieren, dann frei anlegen.
Der grösste Feind: Gebühren und Steuern
Zwei stille Fresser nagen an Ihrer Rendite:
- Gebühren: 1,5 % statt 0,2 % Fondskosten kosten bei CHF 100'000 über 20 Jahre grob CHF 30'000 Endvermögen. Prüfen Sie die TER jedes Produkts.
- Verrechnungssteuer: 35 % auf Zinsen und Dividenden werden direkt abgezogen – mit korrekter Steuererklärung erhalten Sie sie vollständig zurück.
- Steuern auf Kapitalgewinne: Private Kapitalgewinne auf beweglichem Vermögen sind in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei – ein unschlagbarer Vorteil gegenüber dem Ausland.
- Faustregel: Erst Kosten drücken, dann optimieren. Der billigste Fonds schlägt den teuersten Star-Fonds fast immer.
Mini-Fall: Zehn Jahre später starten
Anna beginnt mit 25: CHF 300 monatlich, 5 %, bis 65. Mehmet beginnt mit 35: CHF 500 monatlich, 5 %, bis 65. Wer hat mehr? Anna zahlt CHF 144'000 ein und besitzt ca. CHF 458'000. Mehmet zahlt CHF 180'000 ein und besitzt ca. CHF 340'000. Trotz CHF 36'000 höherer Einzahlung liegt Mehmet fast CHF 120'000 zurück – die verlorenen Zinseszins-Jahre holt kein Sparbetrag auf. Beginnen schlägt Erhöhen, immer.
Rechnen Sie Ihre Varianten mit dem Zinseszinsrechner durch, und prüfen Sie für die Altersvorsorge den Pensionskassen-Rechner von SwissCalc.
Finanzen ganzheitlich planen
Wer über die aktuelle Frage hinaus plant, findet beim Partnerservice mit dem Steuerrechner und dem Pensionskassen-Rechner passende Ergänzungen für Steuern und Vorsorge. Alle Partner-Tools ansehen →
Häufige Fragen
- Ab wann lohnt sich der Zinseszins?
- Ab dem ersten Jahr – aber erst ab etwa 10 Jahren wird der Effekt dominant. Zeit ist wichtiger als der exakte Zinssatz.
- Sind 5 % Rendite realistisch?
- Als langjährige Durchschnittsannahme für breit gestreute Aktienanlagen ja, als Garantie nein. Konten liefern deutlich weniger.
- Monatlich oder jährlich einzahlen?
- Monatlich glättet den Einstiegspreis und passt zum Lohnrhythmus. Der Unterschied zur jährlichen Einzahlung ist klein gegenüber dem Effekt früher Starts.